Montag, 11. Dezember 2017

Hannover 96 missachtet Unschuldsvermutung

Am 11.12.2017 teilte Hannover 96 mit, dass 36 Mitglieder mit sofortiger Wirkung aus dem Verein ausgeschlossen werden. Die Betroffenen sollen Teil einer Gruppe gewesen sein, die Mitte letzten Jahres von der Polizei in Hildesheim in Gewahrsam genommen worden war. Begründet wird der Vereinsausschluss mit einem vermeintlichen Verstoß gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung und vereinsschädigendem Verhalten. Die Fanhilfe Hannover stellt fest, dass beide Begründungen nicht zutreffen.

Vereinsschädigendes Verhalten liegt nicht vor, da ein strafrechtlich irrelevanter Vorfall, der sich abseits einer Veranstaltung des Vereins und ohne Bezug zu diesem ereignet, den Verein nicht schädigen, insbesondere nicht seine gemeinnützigen Zwecke gefährden kann. Die Verdachtsmomente stützen sich auf einen Vorfall, bei dem es bis heute keine Beweise für eine angestrebte Auseinandersetzung gibt, da sich erwiesenermaßen keine gegnerischen Fans in der Nähe aufhielten oder in Anreise befanden. Aus diesem Grund wurden von der zuständigen Polizeibehörde auch keinerlei Ermittlungsverfahren, zum Beispiel wegen Landfriedensbruchs oder versuchter Körperverletzung, eingeleitet. „Mittelbar wirkt die Unschuldsvermutung als Ausfluss des verfassungsrechtlich normierten Rechtsstaatsprinzips auch in privatrechtlichen Beziehungen, wie dem Vereinsrecht, fort. Gefahrenabwehrrechtliche Maßnahmen sowie, im Übrigen zweifelhafte, privatrechtliche Strafmaßnahmen wie ein Stadionverbot des DFB können diese Vermutung nicht außer Kraft setzen,“ so eine Juristin der Fanhilfe. Der Vorstand des Hannoverschen Sportvereins nimmt mit seiner Entscheidung Abstand von der Unschuldsvermutung. Erst kürzlich hatte die Fanhilfe bezugnehmend auf die Unschuldsvermutung gefordert, von einem Vereinsausschlussverfahren gegen den Vorstandsvorsitzenden Martin Kind abzusehen.

Außerdem liegt kein Verstoß gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung vor. Ein solches Verhalten ist das Unterstützen von Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland, Handlungen gegen die Bundesrepublik Deutschland, die Behinderung der Amtsausübung der Organe oder die Gefährdung auswärtiger Belange der Bundesrepublik. Insbesondere die in § 9 Nr. 4a aufgeführten Regelbeispiele mit Bezug auf rechtsextreme Gesinnungen weisen darauf hin, dass sich der Ausschlussgrund des § 9 Nr. 4a auf eben solche politisch motivierten Verstöße bezieht, nicht jedoch auf gefahrenabwehrrechtliche Polizeimaßnahmen, denen die Vermutung eines politisch nicht motivierten Gewaltdelikts zugrunde gelegt wurde.

Insbesondere strafrechtlich nicht geahndetes Verhalten kann keine Bestrebung gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung darstellen. § 9 Nr. 4a der Satzung des Hannoverschen Sportvereins kann nicht über seinen Wortlaut hinaus gedeutet werden, sodass schlichtes gewalttätiges oder gewaltähnliches Verhalten in den Anwendungsbereich der Satzung fiele.

Die Fanhilfe Hannover kündigt rechtliche Schritte gegen die Maßnahmen des Vorstands an.

Erinnern möchte die Fanhilfe auch an die Fälle der drei A-Jugendlichen von Hannover 96, die wegen eines geplanten Raubüberfalls verurteilt wurden, an Altin Lala, der wegen Bestechung verurteilt wurde und an das Mitglied des Ü50-Teams von 96, der wegen Körperverletzung verurteilt wurde. In allen drei Fällen gab es unseres Wissens keinen Vereinsausschluss geschweige denn ein solches Verfahren, obwohl sogar rechtskräftige Verurteilung vorlagen. Völlig zurecht, wie wir anmerken möchten, da ein soziales Geflecht, wie es das Vereinswesen zweifelsohne darstellt, elementar wichtig für die Resozialisierung verurteilter Straftäter ist.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Vereinsausschlussverfahren gegen Martin Kind eingeleitet!

So oder ähnlich könnte eine aktuelle Schlagzeile lauten. Martin Kind sieht sich nach anonymen Anzeigen mit dem Vorwurf der Untreue konfrontiert. Derzeit prüft die Staatsanwaltschaft, ob ein hinreichender Anfangsverdacht besteht, um ein Ermittlungsverfahren einleiten zu können. Nach letzten Medienberichten wurden bereits per richterlichem Beschluss Unterlagen beschlagnahmt. Laut §9 Absatz 4 der Satzung des Hannoverschen Sportvereins von 1896 e.V. kann ein Ausschluss aus dem Verein durch Vorstands- oder Ehrenratsbeschluss erfolgen. Ein Grund kann unter anderem grob vereinsschädigendes Verhalten sein. Ein Vereinsausschlussverfahren kann von jedem Mitglied beim Ehrenrat angeregt werden. Der Ehrenrat muss aber nach §17 Absatz 4d bereits von sich aus tätig werden, „wenn ihm vereinsschädigendes Verhalten bzw. Satzungsverstöße von Mitgliedern oder Organmitgliedern bekannt werden.“ Nach §17 Absatz 4e darf der Ehrenrat Mitglieder, die im Verein ein Ehrenamt innehaben, wie bspw. Martin Kind als Vorstandsvorsitzender, bis zu einer endgültigen Klärung der Vorwürfe vorübergehend von ihren Aufgaben entbinden. Soweit zur grauen Theorie.

Die Fanhilfe Hannover sieht derzeit allerdings weder eine Veranlassung die Einleitung eines Vereinsausschlussverfahrens gegen Martin Kind oder andere Mitglieder des Vorstandes oder Aufsichtsrates des Hannoverschen Sportvereins zu beantragen, noch bestünde nach unserer Ansicht für den Ehrenrat ein Grund, Martin Kind vorübergehend von seinen Aufgaben bei 96 freizustellen.

Für die Einleitung eines solchen Verfahrens bedarf es grundsätzlich der VORHERIGEN Prüfung und Ermittlung der Vorwürfe durch eine unabhängige, staatliche Ermittlungsbehörde und ggf. der ABSCHLIEßENDEN juristischen Klärung in Form eines ordentlichen Prozesses durch ein unabhängiges Gericht. Bis dahin gilt ein elementares Prinzip unseres Rechtsstaates, das für uns als Fußballfans ebenso gelten muss, wie für Martin Kind als erfolgreichen Hörgeräteunternehmer und Multimillionär – die Unschuldsvermutung.

Diese geht hervor aus Art. 11 Abs.1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948:

„Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.“ Dieser Grundsatz hat auch in der deutschen Verfassung Niederschlag gefunden.

Wir fordern also, dass Martin Kind als unschuldig angesehen und auch so behandelt wird, bis ggf. das Gegenteil ermittelt und bewiesen wurde. Nichts anderes gebieten Recht und Gesetz, ebenso wie Vernunft und Anstand. Und nicht mehr aber auch nicht weniger fordern wir für JEDE Person, die sich aktuell mit einem Vereinsausschlussverfahren oder einem Stadionverbot konfrontiert sieht. Auch diese Personen wurden in so gut wie allen Fällen nicht von einem ordentlichen Gericht für schuldig gesprochen, da es in den meisten Fällen nicht mal ein Strafverfahren gibt. Somit gilt auch für diese Personen die Unschuldsvermutung!

Montag, 4. Dezember 2017

Was tun bei einer Beschuldigtenvorladung?

Dass man als Beschuldigter das Recht hat, zu Schweigen, ist den meisten Betroffenen bekannt. Für Verwirrung sorgt dann aber oft ein Hinweis auf der Beschuldigtenvorladung, den wir anhand einer verwendeten Formulierung der Bundespolizeidirektion Hannover besprechen wollen.

In der Vorladung heißt es:

„Sollten Sie zum oben genannten Termin verhindert sein, bitte ich Sie um eine telefonische oder schriftliche Mitteilung an die oben genannte Dienststelle.“

Solltet ihr an dem Termin verhindert sein beziehungsweise ihn nicht wahrnehmen (dazu später), könnt ihr natürlich so freundlich sein und absagen. Müsst ihr aber nicht. Kann man auch gut sein lassen.

Weiter heißt es:
„Ich muss Sie darauf aufmerksam machen, dass andernfalls – wenn Sie zu dem angegebenen Termin nicht erscheinen – nach der geltenden Rechtslage unterstellt werden kann, dass Sie von Ihrem Recht, zu der Beschuldigung Stellung zu nehmen, keinen Gebrauch machen wollen. Diese Entscheidung steht Ihnen frei. Sie sollten jedoch berücksichtigen, dass Ihnen vor dem Abschluss der Ermittlungen nicht nochmals Gelegenheit zur Äußerung gegeben werden muss, auch nicht durch einen Staatsanwalt oder einen Richter.“

Auf den ersten Blick klingt es also, als ob die Nichtwahrnehmung des Termins negative Konsequenzen für euch haben könnte. Das ist jedoch so nicht richtig.

Als Beschuldigte habt ihr das Recht zu Schweigen. Unter Strafverteidigern sagt man sogar, dass Schweigen das „schärfste Schwert der Verteidigung“ ist. Zwar ist die Polizei verpflichtet, sowohl be-, als auch entlastende Tatsachen zu ermitteln. In der Realität sieht das aber oft anders aus. Die erste Beschuldigtenvernehmung bei der Polizei lohnt sich, außer in absoluten Ausnahmefällen, nicht. Wenn überhaupt solltet ihr euch erst nach erfolgter Akteneinsicht und nach Rücksprache mit einem Strafverteidiger äußern. Von seinem Recht zu Schweigen Gebrauch zu machen ist also auf keinen Fall etwas schlechtes.

Auch der Passus, dass euch als Beschuldigtem nicht mehr die Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werden muss, ist irreführend.
Es stimmt, dass euch während des Ermittlungsverfahrens keine Gelegenheit gegeben werden muss. Allerdings könnt ihr euch jederzeit selbständig äußern, euer Anwalt kann ein Schreiben verfassen, ihr könnt sogar unangekündigt auf der Wache auftauchen und Angaben zur Sache machen. Das Ermittlungsverfahren ist auch nur der Beginn eines Strafverfahrens, auf das weitere Verfahrensphasen folgen.
Ihr habt vor Erhebung der Anklage erneut Gelegenheit zur Stellungnahme, genau so in der Hauptverhandlung so wie bei Einstellungen oder Strafbefehlen. Das Recht auf rechtliches Gehör ist national und auch europarechtlich festgeschrieben und ein sehr wichtiges Recht, dass euch nie genommen werden kann.

Es ist also völlig wurst, ob ihr zur Beschuldigtenvernehmung auftaucht – Schweigen kann euch nicht nachteilig ausgelegt werden.
Solltet ihr also eine Vorladung bekommen bleibt cool, meldet euch bei uns und besprecht dann das weitere Vorgehen.
Diese Ausführungen gelten aber nur für Vorladungen der Polizei! Zu Hauptverhandlungen vor einem Strafgericht müsst ihr zwingend erscheinen!

Etwas anders liegt der Fall bei einer Vorladung als Zeuge. Seit August 2017 gibt es in Bezug auf Zeugenvorladungen eine Gesetzesänderung.
Bisher wart ihr als Zeugen nicht verpflichtet, zu einer Zeugenvernehmung zu erscheinen. Verpflichtend war es allenfalls, bei einer Aussage die Wahrheit zu sagen.

Es wurde nun aber zur „effektiveren Ausgestaltung des Strafverfahrens“ eingeführt, dass die Staatsanwaltschaft anordnen KANN, dass ihr zur Zeugenvernehmung bei der Polizei erscheinen MÜSST.
Solltet ihr also eine Zeugenvorladung erhalten und seid euch nicht sicher, ob ihr zum Erscheinen verpflichtet seid, meldet euch bei uns.

Mittwoch, 29. November 2017

Offener Brief an Andreas Willeke zu seinem "journalistischen" Artikel in der Neuen Presse vom 29.11.2017


Lieber Andreas Willeke,

in der Neuen Presse vom 29.11.2017 (online nur im ePaper verfügbar/Seite 11) haben Sie mal wieder gezeigt, welch juristisches Genie an Ihnen vorbeigegangen ist. Wir sind mächtig beeindruckt. Nur hier und da würden wir Ihren Beitrag um richtige Informationen ergänzen wollen:

Sie schreiben, dass die einstweilige Verfügung – gemeint ist sicherlich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung – nun abgelehnt wurde. Das ist so nicht richtig. Der Antrag auf Erlass wurde bereits am 10.11.2017 erstinstanzlich abgelehnt, viele Medien hatten hierüber bereits berichtet. Das hätten Sie zwar mitbekommen können, macht aber nichts. Gegen diesen ablehnenden
Beschluss wurde am 24.11.2017 eine sogenannte „sofortige Beschwerde“ eingelegt.

Hierüber hatte zunächst das Landgericht Hannover zu entscheiden, aber auf keinen Fall musste es etwas „ablehnen“. Mit einem Minimum an Recherchetätigkeit hätten Sie § 572 ZPO gefunden. Dort heißt es ganz am Anfang der Norm:

„Erachtet das Gericht oder der Vorsitzende, dessen Entscheidung angefochten wird, die Beschwerde für begründet, so haben sie ihr abzuhelfen; andernfalls ist die Beschwerde unverzüglich dem Beschwerdegericht vorzulegen.“

Wir übersetzen Ihnen das „Juristen-Deutsch“, wie Sie schreiben, denn dieses ist ja nicht so Ihre Stärke: Das Gericht, das die Entscheidung getroffen hat, soll die Möglichkeit bekommen, seine Entscheidung zu überdenken und diese – sofern es sich überzeugen lässt – abändern können. Wenn es das nicht will, muss das Gericht die Akte dem Beschwerdegericht, im vorliegenden Fall also dem Oberlandesgericht Celle, zusenden; hierzu muss demnach kein neuer Antrag gestellt werden, es passiert automatisch. Das Oberlandesgericht Celle prüft dann den Vortrag des Antragsstellers und fällt – unabhängig von der Entscheidung des Landgerichts - eine Entscheidung. Entgegen Ihren Äußerungen, lieber Andreas Willeke, tendiert die Chance „nach den klaren Urteilen“ nicht gegen Null. Zum einen gibt es gar kein Urteil, sondern einen Beschluss, zum anderen sind ein Oberlandesgericht und die dort in den Senaten tätigen Richter unabhängig, frei in ihrer Entscheidung und werden den Antrag sorgfältig prüfen. Letzteres dürfen wir auch Ihnen empfehlen, auch wenn zwischen dem Schreiben von Artikeln und der nächsten Zigarettenpause nur wenig Zeit bleibt.

Mit der Behauptung, die Chancen tendierten gegen Null, geben Sie nicht nur ein durch nichts begründetes Urteil ab, sondern degradieren das Oberlandesgericht Celle geradezu. Ungeachtet Ihrer nicht nachvollziehbaren Motivation, möchten wir Ihnen auf den Weg geben, dass man so etwas nicht macht. Alle anderen schaffen es nicht nur, objektiv zu berichten, sondern auch den Respekt vor Dritten nicht zu verlieren.

Es grüßt
die Fanhilfe Hannover

Samstag, 18. November 2017

Keine Laternenumzüge wegen Fußballfans? Ein offener Brief an die HAZ



Sehr geehrter Herr Klein,

wir wenden uns heute erschüttert an Sie. Unsere Bestürzung nährt sich allerdings nur zum Teil aus dem originären Anlass des von Ihnen verfassten Artikels. Es darf unzweifelhaft als gesetzt gelten, dass Eltern und Kinder angstfrei an einem Laternenumzug teilnehmen können müssen.
Ebenso unstreitig ist es, dass viele Medienhäuser unter dem Strukturwandel der Branche zu leiden und daher möglichst viel Content zu produzieren haben, um durch eine hohe Klickzahl Werbeeinnahmen generieren zu können. Dieses Vorgehen ist auch auf den Webseiten von journalistisch anspruchsvollen Angeboten nachzuvollziehen. Und durchaus verständlich.
Deutlich weniger verständlich und daher so bestürzend ist es hingegen, dass ein, im Wortsinn, ausgezeichneter Journalist sich öffentlich so hanebüchen äußert.
Die Argumentationslinie, die  von Fußballfans, die die Polizei binden, zu, daraus resultierend, schutzlosen Kindern reicht, mag simplen Zeitgenossen einleuchten, Äquivalente der politischen Ränder tun dies ebenso, wahr ist der Unsinn dennoch natürlich nicht! Grundsätzlich nicht, erschwerend kommt zudem hinzu, dass am vergangenen Wochenende aufgrund von Länderspielen nahezu keine relevanten Ligapartien stattgefunden haben.

Selbst wenn man ihren, dargelegt abstrusen, Gedanken zu Ende denken würde, man also annähme, dass dutzende Polizisten frei wären, um Laternenumzüge zu schützen, käme man unweigerlich zu dem Schluss, dass das konstatierte Problem dadurch kaum wirksam angegangen würde. Ein Autofahrer, der in eine hell erleuchtete Menschengruppe fährt, ließe sich wohl kaum von einem zusätzlichen Blaulicht von seinem verqueren Tun abhalten.
Die regelmäßig diskutierte Überprüfung der Vekehrstauglichkeit ab einem bestimmten Alter, ist zudem ein Denkansatz, den es sich eher zu verfolgen gelohnt hätte.

Und ja, es gibt Gewalt. In Deutschland. In Häusern, auf Straßen und auch im Umfeld von Fußballspielen. Alle langfristigen Statistiken zeigen allerdings, dass die mit dem Sport assoziierte Gewalt rückläufig ist. Dass es also utopische Polizeiaufgebote braucht, sagt die Polizei selber. Ist das aber tatsächlich so? Oder könnte man Ressourcen einsparen bzw. anders verwenden? Durchaus spannende Fragen für einen Journalisten. Zumindest für einen, der etwas auf sich hält.

Es grüßt herzlich
die Fanhilfe Hannover

Freitag, 17. November 2017

Fragwürdige Allgemeinverfügung - Ein offener Brief an die Bundespolizeidirektion Hannover

Liebe Bundespolizeidirektion Hannover,

wir sind doch immer wieder erstaunt, dass ihr meint, eine Allgemeinverfügung zum Verbot von Flaschen, Dosen, Pyrotechnik, Schutzbewaffnung und Vermummungsgegenständen würde auch nur irgendwas bezwecken, außer der Politik und Presse zu zeigen, dass ihr die harten Hunde seid. Und natürlich kann man dem gemeinen Fußballfan die Lust an einer Anreise im Zug ein Stück weit nehmen, in dem man ihn zwingt, genau auf seine Getränkeverpackung zu achten. Was uns dann aber doch wundert ist eure Unkenntnis der örtlichen Gegebenheiten des hannoverschen Hauptbahnhofs. Unter Punkt 1.1 der Allgemeinverfügung heißt es beispielsweise, dass der Geltungsbereich den "Bahnsteig Gleis 1/2 und 12/13" umfasst. Wir fragen uns, ob ihr einfach nur mit den Zahlen 13 und 12 etwas spielen wolltet - eine Selbstironie, die wir durchaus amüsant fänden - oder ob euch tatsächlich noch nicht aufgefallen ist, dass der hannoversche Hauptbahnhof über keinen gemeinsamen Bahnsteig der Gleise 13 und 12 verfügt. Und im Übrigen auch über keine gemeinsamen Bahnsteige der Gleise 8/9 und 10/11, wie uns Punkt 1.2 der Allgemeinverfügung weismachen will. Aber nichts für ungut, beim nächsten Mal macht ihr es bestimmt wieder richtig. Wünschenswert wäre übrigens auch, wenn sich eure Einsatzleiter und insbesondere der Leiter der Bundespolizeiinspektion Hannover Herr Jördening - so er denn am Sonntag wieder im Einsatz sein sollte - im Vorfeld über die offiziellen Kapazitäten der eingesetzten Doppelstockzüge, insbesondere die Anzahl der Stehplätze, informieren würden. So ließe sich vermeiden, dass eure Kollegen wieder am Bahnsteig behaupten, ein Zug sei voll, obwohl noch massig Platz ist.

Viele Grüße
Fanhilfe Hannover

Dienstag, 7. November 2017

Die aktuellen Geschehnisse bei Hannover 96 - Ein polemischer Kommentar



Die meisten werden sich vermutlich verwundert die Augen gerieben haben, als seit vergangenem Freitag eine Vielzahl neuer Medienberichte erschienen, welche so langsam den ganzen hannoverschen Filz aufklären. Vor allem die taz tat sich durch einen sehr ausführlichen und gut recherchierten Artikel hervor. Aber auch der vierseitige Bericht in der gedruckten Ausgabe des Spiegels zeigte sehr deutlich, wie Herr Martin Kind Hannover 96 regiert. Durch die Artikel wurde bekannt, dass es beispielsweise ein neues Gutachten der renommierten Wirtschaftsprüfer von Baker Tilly gibt, welches den Wert der Management GmbH mit 10 Millionen plus X ausweist.

Herr Kind ist hingegen der Meinung, dass er 51% für 12.750€ erwerben könne. Die Gesellschaft habe laut ihm nur den Wert des Stammkapitals, nämlich 25.000€ (51% = 12.750€). Herr Kind soll sich ja mit Wirtschaft auskennen. Da fragen wir uns schon, ob er nicht weiß, dass der Wert seiner bisher bestehenden Anteile an der 96 KGaA (die er über seine Mehrheitsanteile an der S&S besitzt) massiv im Wert steigen werden, sobald diese nicht mehr stimmrechtlos, sondern mit Stimmrecht ausgestattet sind. Somit steigt also der Wert seiner gesamten Anteile massiv, sobald er das Stimmrecht hat.

Auf die Idee hätten eigentlich auch seine Kollegen im Vorstand und die drei Kollegen im Aufsichtsrat kommen können, spätestens als ihnen ein erstes Gutachten dazu präsentiert wurde. Diese ziehen es aber vor, Herrn Kind blind zu folgen, ohne das Gutachten zu beachten. Herr Kind ist schließlich ein Ehrenmann. Dabei kann man dann auch übersehen, dass im Handelsregister die Bilanz der Management GmbH ein Eigenkapital von 29.301,63 € ausweist (Stand: 30.06.2016). Sieht man also mal vom Wert der Stimmrechte ab, kauft Ehrenmann Kind für 12.750€ Firmenanteile im monetären Wert von 14.943,83 €. Der Vorstand würde nach dieser Logik also auch ein Portemonnaie mit 112€ Inhalt für 96€ verkaufen. Zumindest an Kind. Denn der ist ja ein Ehrenmann. Dem kann man blind folgen.

Und sonst so? Da ist dann ja noch die Rolle der Lokaljournalisten. Diese haben es nicht leicht. Erst werden sie bei ZAPP kritisch hinterfragt. Dann mussten sie per Spruchband aus der Fankurve auf ein laufendes und ein abgeschlossenes Gerichtsverfahren zwischen zwei 96-Gesellschaftern (Wilkening vs. Kind) hingewiesen werden, die zeigen, dass es auch zwischen den regionalen Gesellschaftern Stress gibt und das vermeintlich so tolle „Hannover-Modell“ vielleicht doch nicht sooo toll ist. Und zu guter Letzt erfahren Sie aus den überregionalen Medien (siehe oben) von allerhand neuen Enthüllungen um Hannover 96 und Herrn Kind. Also zu den Themenbereichen, zu denen die Lokaljournalisten eigentlich am besten Bescheid wissen sollten. Man munkelt, dies führte zu internem Ärger im Hause Madsack. Aber man muss fairerweise sagen, es wurde relativ schnell reagiert.

Der erste Artikel von Herrn Dirk Tietenberg ging beim Sportbuzzer am Freitag um 20.10 Uhr online, enthielt allerdings direkt im ersten Absatz noch deutliche Fehler im Basiswissen. Während hier suggeriert wird, dass die Management GmbH von der S&S bzw. allen vier Gesellschaftern übernommen werden soll, ist es in der Realität Herr Kind alleine, der die Management GmbH übernehmen will. Ohne seine Kollegen. Übrigens: im Gegenzug soll dann aber die gesamte S&S über den Grundlagenvertrag dem e.V. Vorteile, v.a. finanzieller Art, zukommen lassen. Also in Kurzform: Herr Kind bekommt, die S&S insgesamt zahlt. Kein Wunder, dass nicht alle Gesellschafter damit zufrieden sind.

Im zweiten Artikel von Herrn Tietenberg waren es dann schon weniger Fehler enthalten und er war deutlich ausführlicher. Dieser wurde dann auch in den Print-Ausgaben von HAZ und NP am Montag berücksichtigt. Zusätzlich gab es in beiden Zeitungen noch einen Kommentar von Herrn Carsten Bergmann (Redaktionsleiter), der ebenfalls durchaus lesenwert war.

Am heutigen Dienstag brachte die HAZ einen Leitartikel von Herrn Gunnar Menkens, den man ebenfalls durchaus lesen kann, selbst wenn man dem Grundtenor ("Es ist gut, 96 zu einem Wirtschaftsunternehmen umzubauen") nicht zustimmt. Im Sportteil findet sich ein Artikel von Herrn Tobias Manzke (online aktuell nicht verfügbar), in dem die verschiedenen Parteien zu Wort kommen und der einigermaßen ausgeglichen, aber nicht tendenziös berichtet.

Und die Neue Presse? Die lässt Herrn Andreas Willeke sich mal wieder mit einem Artikel bei Herrn Kind beliebt machen. Dem stellvertrenden Vereinsvorsitzenden, Herrn Uwe Krause, wird eine halbe Seite zum Verbreiten seiner kruden Thesen geschenkt. Herr Krause darf unwidersprochen behaupten, dass Pro Verein 1896 Beleidigungen initiiere (Nachweis?), dass Aufsichtsrat Ralf Nestler grob vereinsschädigend handle (Nachweis? Zufälligerweise vielleicht der gleiche Müll, den ein Abteilungsleiter des Breitensportvereins von sich gibt?) oder dass Pro Verein 1896 nur Halb- und Unwahrheiten verbreite (Nachweis?). Auch beschwert er sich, dass das neue, aktuelle Gutachten noch nicht bei 96 vorliege. In der Bild beschwert Herr Krause sich zusätzlich noch, dass das aktuelle Gutachten mehreren Medien vorliege, was ebenfalls nicht der Wahrheit zu entsprechen scheint, da es den Formulierungen nach offenbar ausschließlich dem Spiegel vorliegt. Alle anderen Medien haben lediglich zitiert. Auch wird von Herrn Krause verschwiegen, dass das angeblich existierende Gutachten von Hannover 96, welches es schon Ende Juli gegeben haben soll (Inhalt angeblich: Management GmbH ist nur 25.000€ wert), bis heute nicht dem Aufsichtsrat zugegangen ist. Es ist von Seiten Hannover 96 also alles wie immer: Behauptungen ohne Ende aber nicht ein einziger Nachweis. Und Herr Willeke? Für den ist offensichtlich weiterhin Herr Kind Gott und alle Kind-Kritiker scheinen Vollidioten zu sein.

Achso, was ist eigentlich mit dem Fragenkatalog der 90 Fanclubs? Wird sich Hannover 96 noch bequemen, diesen zu beantworten? Oder lassen sie es lieber bleiben, da ehrliche Antworten das gesamte Konstrukt zum Einstürzen bringen würden?