Die Fanhilfe Hannover zum
Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ der DFL:
Seit einigen Tagen befindet sich ein Strategiepapier der DFL im Umlauf, indem
neue Maßnahmen zur Bekämpfung der Straftaten im Umfeld von Fußballveranstaltungen
und zur Verbesserung der Sicherheitslage erläutert sind, obwohl die Anzahl der
Vorfälle und Straftaten statistisch gesehen rückläufig ist.
Nach der Sicherheitskonferenz in Berlin (17.07.) sowie dem Spitzentreffen
zwischen DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligapräsident Dr. Reinhard
Rauball mit der Innenministerkonferenz (23.07.) in Berlin wurde am 22.08.
innerhalb der DFL eine „Kommission Sicherheit“ unter Ausschluss von Fanbeauftragten, Fanprojekten oder Fanvertretern
gegründet.
Deren Ergebnis war, nach nur vier Wochen Arbeit, das 32-seitige Maßnahmenpaket
„Sicheres Stadionerlebnis“. Im weiteren Vorgehen der DFL soll den Vereinen bis
22.10. die Möglichkeit der Stellungnahme für eventuelle Änderungen eingeräumt
werden. Am 12.12. soll das Maßnahmenpapier seitens der
DFL-Mitgliederversammlung beschlossen werden. Die Maßnahmen sollen zur Beginn
der Saison 2013/2014 als Bestandteil der Lizenzvereinbarungen in Kraft treten.
Inhaltlich werden verschiedene Sicherheitsmaßnahmen in sechs Kategorien
unterschieden.
So soll ein Ausbau der Kontrollsysteme (u.a. an den Stadioneingängen), eine
Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien sowie verschiedene Forderungen an
Dritte (u.a. die vermehrte Weitergabe von persönlichen Daten der Polizei an die
Vereine).
Im Kern ist die Einrichtung eines sogenannten Fankodex geplant, dessen
Mindeststandards die DFL definiert und vorgibt. Dieser Kodex soll an das
Lizenzierungsverfahren der Vereine gebunden werden und Fanclubs, die einen
solchen Kodex nicht unterzeichnen, sollen durch Entzug sogenannter
"Fanprivilegien" (z.B. Mitbringen von Fanmaterial und Zaunfahnen,
keine Berücksichtigung beim Verkauf von Tickets usw.) sanktioniert werden.
Verstöße gegen den Kodex sollen demnach stärker in Maßnahmen gegen den Täter
und Einzelpersonen münden, die anderen Fanclubs eines Vereins aber gleichzeitig
in eine Art Sippenhaft nehmen. Ebenso ist der Erhalt der Stehplätze kein
"unveränderlicher Besitzstand" mehr.
Wir gehen davon aus, dass eine Umsetzung des
Papiers das Ende der von uns allen geschätzten Fankultur bedeutet!
Eine Umsetzung des derzeit vorliegenden
Papiers mit allen seinen Maßnahmen würde das Ende der allseits geschätzten
deutschen Fankultur haben.
Die Fanhilfe wertet dieses Vorgehen seitens der DFL als einen Angriff auf die
derzeit bestehende Fankultur.
Auf den ersten Blick positive Veränderungen, wie z.B. eine bessere
Ordnerschulung, der deeskalierende Einsatz von Gästeordnern oder des
Gästestadionsprechers bei Auswärtsspielen geraten in Gefahr, im Zuge der
geplanten Maßnahmen unterzugehen.
Die Fanhilfe Hannover lehnt das vorliegende Strategiepapier vollständig ab. Der
Plan, die Sicherheit in deutschen Stadien zu verbessern, wird mit den geplanten
Veränderungen auf dem Rücken tausender Fußballfans ausgetragen, denen eine
unzumutbare Angst- und Gefahrsituation im Umfeld von Fußballspielen suggeriert
wird, um Persönlichkeits- und Grund rechte erheblich einzuschneiden.
Zudem unterstützt die Fanhilfe das heute von den Fanvertretern unterzeichnete
und überreichte Schreiben an die Vereinsführung (siehe Anhang). Detailierte
Ausführungen und Begründungen zu der Ablehnung entnehmen Sie bitte diesem
Schreiben.
Die Fanszene erhofft sich durch dieses Schreiben in dem viel zitierten Dialog
ernstgenommen zu werden und gemäß Ihrer Interessenlage durch den Verein
gegenüber der DFL vertreten zu werden.
Also Musterbeispiel wäre ein deckungsgleiches Verhalten mit jenem der
Vereinsführung von Union Berlin wünschenswert.